Finanzkrise: Welche Geldanlagen sind sicher?

Die Kapitalmärkte rings um den Globus sind in Aufruhr: Der Euro steht auf der Kippe, die USA versinken im Schuldensumpf, viele Anleihen sind nur noch Ramschware und bei Bankaktien herrscht akute Absturzgefahr. Sparer erleben, wie sich deutsche Geldinstitute vor Stresstests fürchten und wie sich Versicherungen plagen, mehr als den Mindestzins zu erwirtschaften. Sind unsere Sparvermögen überhaupt noch sicher? Wo sollte man sie anlegen? Und ist Gold eine echte Alternative?

Einlagensicherung von Bankguthaben
In Deutschland existiert ein gesetzlicher Einlagenschutz, der Kundengelder bis zu 100.000 Euro pro Bankkunde staatlich garantiert. Das gilt sowohl für deutsche als auch für europäische Geldinstitute im Rahmen der EU. Darüber hinaus besteht der Einlagensicherungsfonds deutscher Banken, der Kundengelder in Millionenhöhe absichert. Er umfasst alle Sicht,- Termin- und Spareinlagen sowie Sparbriefe. Das heißt, Einlagen auf Tages- und Festgeldkonten sowie Guthaben auf Spar- und Girokonten sind zu 100 Prozent geschützt. Eine ähnlich hohe Absicherung bieten die Einlagensicherungsmechanismen der deutschen Sparkassen sowie der Volks- und Raiffeisenbanken. Wer in Festgelder ab drei Jahren Laufzeit investiert, der kann sich Renditen von drei bis vier Prozent sichern.

Wertpapiere der Bundesrepublik Deutschland
Deutschland gilt nach wie vor als einer der solventesten Schuldner auf der ganzen Welt. Eine Pleite der Bundesrepublik und damit ein Kapitalverlust für Anleger, die in Bundesschatzbriefe, Staatsanleihen oder Bundesobligationen investiert haben, ist aus heutiger Sicht ausgeschlossen. Auch ein Zahlungsausfall von Zinsen für bundesdeutsche Wertpapiere steht nicht zu befürchten. Der Preis für die hohe Sicherheit sind allerdings vergleichsweise niedrige Renditen. So rentiert die Tagesgeldanleihe des Bundes unterhalb von einem Prozent – weniger als die aktuelle Inflationsrate! Und auch die beliebten, länger laufenden Bundesschatzbriefe werfen kaum mehr zwei Prozent Zinsen ab.

Rentenfonds
Wer aus Sicherheitsgründen von Aktien in Rentenfonds umschichtet, der sollte prüfen, in welche Anleihen der Fonds investiert ist. Euro-Rentenfonds zählen zwar nach wie vor zu den sicheren Geldanlagen, doch wenn der Fonds eine Vielzahl von Staatspapieren enthält, deren Länder jetzt zu den Krisenstaaten zählen, sind Kursrückgänge wahrscheinlich und auf absehbare Zeit muss mit dürftigen Renditen gerechnet werden. Investiert der Fonds vorrangig in Euro-Kernländer wie Frankreich, Deutschland oder die Niederlande, sind zwar keine Kursrutsche zu befürchten, Top-Renditen sind derzeit aber auch nicht zu erwarten. In der gegenwärtigen Krise sollten Fondssparer Kapitalerhalt plus Inflationsausgleich anstreben.

Lebensversicherungen
Viele Gesellschaften blicken mit Sorge nach Italien. Denn das Mittelmeerland ist der drittgrößte Anleihemarkt der Welt – und Anleihen sind der Hauptinvestitionsschwerpunkt der Assekuranz. Eine Pleite Italiens dürfte herbe Kerben in die Bilanz vieler Gesellschaften schlagen und zu weiteren Renditerückgängen bei Lebens- und Rentenversicherungen führen. Eine Pleite einzelner Gesellschaften ist zwar nicht auszuschließen, allerdings verfügt die Branche über eine Auffanggesellschaft namens Protector, mit der sich die Unternehmen wechselseitig stützen. Versicherte stehen im Ernstfall nicht mit leeren Händen da. Bestehende Policen vorzeitig kündigen, empfiehlt sich wegen der damit verbundenen Kosten und Kapitalverluste nicht.

Riester-Rente
Riester Verträge garantieren die eingezahlten Spargelder samt Zulagen zu Rentenbeginn. Damit besitzen Vorsorgesparer eine hohe Sicherheit. Allerdings gewähren die Verträge keine Garantie für eine ordentliche Rendite. Da die Versicherer zunehmend auf Anleihen aus sicheren Euro-Ländern wie Deutschland und Frankreich setzen, dürften die Renditeerwartungen von Riester-Rentenversicherungen weiter sinken. Bei fondsgebundenen Riester-Verträgen ist langer Sparhorizont gefragt, denn nur lange Anlagezeiträume gleichen Börsenschwächen aus und erwirtschaften unterm Strich akzeptable Renditen.

Investieren in Fremdwährung
Angesichts der europäischen Schuldenkrise überlegt so mancher Anleger, ob er das Ersparte statt in Euro in fremde Währungen investieren sollte. Besonders gefragt ist der Schweizer Franken. Doch Vorsicht: Sparer sollten das Währungsrisiko nicht unterschätzen. Der Kurs des Schweizer Franken ist seit Jahresbeginn zwar deutlich gestiegen – doch er kann auch wieder fallen. Davon abgesehen ist das Zinsniveau bei Anlagen in der Schweizer Währung niedriger als beim Euro. Währungsrisiken lauern auch bei anderen Fremdwährungen, etwa dem Dollar oder dem Südafrikanischen Rand. Dennoch können Fremdwährungsanlagen zur Ergänzung und Risikostreuung im Depot sinnvoll sein, sei es in Form von Geldmarktkonten, Anleihen oder Aktien. Der Schwerpunkt der Anlagen sollte aber in der Heimatwährung sein, mit der auch täglich bezahlt wird.

Gold
Viele Sparer kaufen Gold als Vermögensstabilisator, um sich vor Inflation und dem drohenden Euro-Ausfall zu schützen. Doch Vorsicht: Der Goldpreis unterliegt hoher Spekulation, zudem zahlt Gold keine Zinsen. Sollte es Europa und den USA gelingen, eine überzeugende Antwort auf ihre Schuldenproblematik zu geben, dürften die zuletzt deutlich gestiegenen Preise für das Edelmetall schnell wieder nachgeben. Anleger, die zu hohen Goldkursen gekauft haben, laufen dann Gefahr, Verluste zu erleiden. Einen Schutzmechanismus für das investierte Geld, wie es Spareinlagen bei Banken oder Investmentfonds bieten, gibt beim Kauf physischen Golds nicht. Es empfiehlt sich daher, nur einen geringen Teil seines Kapitals in das Edelmetall zu investieren.

Aktien und Aktienfonds
Aktienbesitzer sollten besonnen agieren. Panikverkäufe enden meist mit herben Verlusten. Wichtig ist, vorhandene Papiere mit Stopps gegen weitere Verluste zu sichern. Sind Gewinne vorhanden, können diese realisiert werden. Zwar sind weitere Kursrückgängen an der Börse zu befürchten, ein Totalausfall einer Aktie passiert aber nur im Extremfall. Aktien zählen zu den Sachwerten, denn das Sachvermögen des Unternehmens, etwa Immobilien, Grundstücke oder Maschinen, bleibt unabhängig von den Geschäften der Aktiengesellschaft stets erhalten. Die Bewertungen vieler Unternehmen sind derzeit nicht besonders hoch, viele Titel sind unter Kaufaspekten sogar attraktiv bewertet. Allerdings sollte man die jeweilige Branche und die konjunkturellen Aussichten genau verfolgen. Von Investitionen in Bank- und Versicherungstiteln oder in griechische Unternehmen sollte man besser die Finger lassen. Aktienfonds haben einen zusätzlichen Vorteil: Fondsanteile zählen als Sondervermögen. Das heißt, im Pleitefall der Fondsgesellschaft gehören die Fondseinlagen nicht zu deren Konkursmasse, sondern bleiben Eigentum des Anlegers.

 

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