Kombi-Sparen: Festgeld & Fonds lohnt nicht

Das Prinzip des Kombi-Sparens ist simpel: Ein Teil der geforderten Anlagesumme wird fest verzinst, mit dem restlichen Geld werden Aktienfondsanteile gekauft. Meist muss der Anleger eine bestimmte Laufzeit berücksichtigen, in der sein Kapital festliegt. Beispiel: Eine bekannte Direktbank bietet derzeit unter dem Stichwort „fest & fonds“ ein Kombiprodukt an, bei dem die eine Hälfte des Geldes ein halbes Jahr lang mit sieben Prozent verzinst wird, die andere Hälfte fließt in Aktienfonds. Eine bestimmte Laufzeit ist nicht vorgeschrieben. Nach Ablauf von sechs Monaten kann der Anleger frei entscheiden, was er zum Beispiel mit dem Festgeld macht. Er kann es neu in Festgeld investieren oder auf einem Tagesgeldkonto parken.

Fondsqualität entscheidet über Anlageerfolg
Sparer sollten sich nicht von den hohen Zinsen blenden lassen. Erstens gibt es diese nur ein halbes Jahr. Zweitens zeigt sich bei genauem Hinsehen, dass nicht die Festgeldanlage über den Erfolg des Spar-Zwitters entscheidet, sondern die Fondsanlage. Aktienfonds sind eine hochspekulative Geldanlage. Wer zum Beispiel im Herbst letzten Jahres in ein solches Produkt investiert hätte, der dürfte heute ein dickes Minus verbuchen, denn egal, ob deutsche, europäische oder globale Aktienfonds – alle Kategorien verzeichnen hohe, zweistellige Kursverluste. Die hohen Festgeldzinsen auf einen Teil des Geldes wären also wirkungslos verpufft. 

Finanzexperte Thomas Bieler von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen rät daher Interessenten „die eigene Risikobereitschaft, die voraussichtliche Dauer der Anlage und die Qualität des Fonds genau zu prüfen“. Anleger stehen bei Kombi-Anlagen allerdings vor einem Dilemma: Sollen sie ihr Geld für eine kurze Zeit anlegen, wie es die Festgeldanlage suggeriert, oder auf lange Dauer, wie es Aktienfonds fordern? Wer sein Geld beispielsweise nur zwei oder drei Jahre anlegen möchte, der kann mit hoch volatilen Aktienfonds gewaltig unter die Räder kommen. Hier empfehlen sich Anlagehorizonte von acht und mehr Jahren. Bei kurzem Sparzeitraum sollte man Rentenfonds bevorzugen oder gleich auf Nummer sicher gehen und in Sparbriefe oder Festgelder investieren. Derzeit liegen die Renditen verzinslicher Geldanlagen sowieso über denen von Rentenfonds. Wer jedoch in Rentenfonds investieren möchte, stößt bei Kombi-Anlagen auf ein weiteres Problem: Die Geldinstitute offerieren in der Regel nur Aktien- oder gemischte Fonds; Renten- oder offene Immobilienfonds sucht man vergeblich.

Auf Zusatzkosten achten
Nachteilig auf die Rendite wirken sich auch die Kosten des Fondskaufs aus. Fast alle Banken berechnen Ausgabeaufschläge, manchmal gewähren sie Rabatt. Dadurch holen sie, zumindest teilweise, die Ausgaben für die hohen Festgeldzinsen wieder herein. Hinzu kommen Depotgebühren. Hat der Sparer nicht sowieso schon ein Depot bei dieser Bank, muss der Fonds diese Zusatzkosten erst einmal hereinwirtschaften, ehe er ins Plus kommt. Unterm Strich können Fondsverluste sowie Kauf- und Depotgebühren trotz hoher Festgeldzinsen die Gesamtanlage ins Minus drücken. Für sicherheitsorientierte Anleger sind Kombi-Anlagen daher nicht geeignet. Lediglich für Langfristanleger, die sowieso vorhaben, in Aktienfonds zu investieren, lohnt es sich, die hohen Festgeldzinsen quasi als Nebeneffekt mitzunehmen.

 

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