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August 2009
Finanzwissen: Populäre Irrtümer beim Geld anlegen
In Kundenbefragungen offenbaren Geldanleger immer wieder große Lücken in Sachen Finanzwissen. Häufig können selbst einfache Grundbegriffe wie Nominalzins oder Rendite nicht erklärt werden. Ein gewisses Grundverständnis für Börsen- und Finanzregeln ist aber unerlässlich, um erfolgreich Geld anzulegen oder einen Kredit zu beantragen. Die wichtigsten Punkte, um das Finanzwissen auf Vordermann zu bringen:
Wertgewinn ist nicht identisch mit Rendite
Die Rendite entspricht der durchschnittlichen Verzinsung pro Jahr. Verzinst sich eine Geldanlage mit 3 Prozent pro Jahr, so erzielt der Sparer eine gleich hohe Rendite. Der Wertgewinn ist dank Zinseszinseffekt aber höher. Beispiel: 10.000 Euro verzinsen sich konstant mit 3 Prozent pro Jahr. Der Zinsgewinn für zehn Jahre beträgt 3.439 Euro. Während die Rendite genau 3 Prozent beträgt, erreicht der durchschnittliche Wertzuwachs 3,44 Prozent.
Hohes Risiko bringt nicht automatisch hohen Gewinn
Ein hohes Anlagerisiko zum Beispiel mit Aktien oder Aktienfonds soll langfristig höheren Gewinn bringen als sichere Zinsanlagen. Die zurückliegenden Börsenabstürze haben diese Faustformel jedoch gründlich erschüttert. Schwankungsintensive Börseninvestments können zwar hohe Gewinne einfahren, aber ebenso hohe Verluste. Da Verluste aber deutlich schwerer wiegen als Gewinne, rutschen Geldanlagen schnell in die Verlustzone, kommen aber nur mühsam dort wieder heraus. Denn es gilt: Bei einem Verlust von 50 Prozent bedarf es eines Gewinns um 100 Prozent, um den Verlust auszugleichen. Bei einem Verlust von 70 Prozent braucht man zum Ausgleich bereits einen Hinzugewinn von 233 Prozent. Daher rentieren Geldanlagen, die kleine aber stete Gewinne erwirtschaften, unterm Strich oft besser als Investments mit massiven Kursausschlägen nach unten und oben.
Unterschied zwischen Nominal- und Effektivzins
Der Nominalzins ist der Prozentsatz, mit dem Banken Darlehenszinsen berechnen. Der Effektivzins geht über diesen Grundzins hinaus. Er beinhaltet die Gesamtkosten einer Finanzierung. Die Gesamtkosten werden vor allem von den Nebenkosten beeinflusst, etwa vom Verrechnungsmodus für die Tilgungsleistungen, von anfallenden Disagiokosten, Versicherungsprämien und weiteren Bearbeitungsgebühren.
Dividenden genauso wichtig wie Kursgewinne
Privatanleger spekulieren an der Börse zumeist auf Kursgewinne. Die regelmäßigen Dividendenzahlungen der Unternehmen werden hingegen oft vernachlässigt. Doch das ist ein Fehler, denn die Unternehmensausschüttungen sind ein wichtiger Erfolgsfaktor. Werden die Zahlungen stets wieder angelegt, vervielfacht sich die Rendite. Ursache dafür ist der Zinseszinseffekt. Beispiel US-Aktien: Nach Berechnungen der London Business School hätte ein um 1900 getätigtes Aktieninvestment ohne Einbeziehung der Dividenden bis heute eine Rendite von 1,7 Prozent erbracht. Unter Berücksichtigung der Unternehmenszahlungen würde die Rendite auf 6 Prozent nach oben schnellen.
Aktien sind auf lange Sicht immer im Plus
Selbst ein langer Anlagezeitraum garantiert nicht, dass Aktien und Aktienfonds stets Gewinn abwerfen. Wie Berechnungen des Deutschen Aktieninstituts zeigen, reicht selbst eine Zehnjahresspanne nicht, um mit Börsenpapieren zwingend im Plus zu stehen. So lagen Anleger, die 1999 in Dax-Papiere investierten, Ende 2008 mit 4 Prozent im Minus. Erst bei sehr langer Anlagedauer hat die Faustformel ihre Gültigkeit: Wer zum Beispiel 1989 in den Dax einstieg, verbuchte bis Ende 2008 jährliche Gewinne von 5,3 Prozent. Entscheidend für die Aktienanlage ist neben Haltedauer und der richtigen Titelauswahl vor allem der Einstiegs- und Ausstiegszeitpunkt.
Abrufkredit ist billiger als Überziehungskredit
Ein Abrufkredit, wie z.B. der Dr. Dispo Abrufkredit der Credit Europe Bank, darf nicht mit dem Dispokredit des Girokontos verwechselt werden. Zwar sind Abrufkredite genauso flexibel wie Überziehungskredite, etwa was das Überziehen und die Rückzahlung des geliehenen Geldes betrifft. Die übrige Funktionsweise ist aber anders: So ist der Abrufkredit nicht an ein Girokonto gebunden, zudem erhalten Kreditnehmer eine vergleichsweise hohe Kreditlinie und können diese nach Belieben beanspruchen. Damit ist der Abrufkredit genauso flexibel wie der Dispo des Girokontos, kostet aber nur etwa die Hälfte.
Bei Konkurs einer Investmentgesellschaft behalten Fondsanteile ihren Wert
Die mögliche Pleite einer Fondsgesellschaft kann Anleger nicht erschüttern. Da Fondsguthaben grundsätzlich als Sondervermögen geführt werden und somit nicht zum Eigentum der Investmentgesellschaft gehören, bleibt der Anteilswert bei einem Konkurs in voller Höhe erhalten und wird an den Anleger zurückgezahlt.
Fondsfusion ist steuerunschädlich
Nach einer Fusion bereinigen viele Fondsgesellschaften ihre Fondsplatte. Werden dabei Fonds mit ähnlichem Anlagekonzept miteinander verschmolzen, geht die Steuerfreiheit für Altbestände, also für Fondsanteile die länger als ein Jahr im Depot liegen und die vor 2009 gekauft wurden, nicht verloren. Der neu entstandene Fonds gilt als Rechtsnachfolger der bisherigen Fonds, das ursprüngliche Kaufdatum der früheren Fondsanteile bleibt erhalten.
Nicht alle Zinsen und Kursgewinne unterliegen der Abgeltungsteuer
Seit Anfang 2009 unterliegen Zinserträge, Kursgewinne und Dividendenzahlungen der 25-prozentigen Abgeltungsteuer plus Solidarzuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer. Die Bank führt diese direkt ans Finanzamt ab. Bevor es jedoch so weit ist, greift der Sparerpauschbetrag in Höhe von 801 Euro je Anleger. Wird der Bank ein Freistellungsauftrag über die volle Höhe des Pauschbetrags erteilt, so bleiben Kapitalerträge bis zu diesem Grenzbetrag abzugsfrei. Erst übersteigende Gewinne werden anteilig ans Finanzamt überwiesen.
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